zerbrochener Stift

Da bin ich wieder! Oder auch nicht …

In diesem Blogartikel – den ich wohl bemerkt schon letzten November zu schreiben  begonnen habe – wollte ich euch eigentlich ein Update zum Bier-Projekt geben, doch irgendwie bin ich sehr schnell abgeschweift. Schlussendlich wurde es jetzt ein allgemeiner Statusbericht zu meiner Schreiberei und meiner momentanen Stimmung. Er ist persönlicher geraten, als ich wollte, und ich hoffe nicht allzu wirr.

Die Schreibkrise ist da!

Mit meinem Blogroman »Die Aventüren der Bonnie Bahookie« läuft es ganz gut. Dies aber auch nur, da dieser schon fixfertig ist und ich ihn inzwischen auch bis zum Ende als Blogbeiträge für meine Webseite vorbereitet habe. Wenn ich noch wöchentlich daran arbeiten müsste, dann hätte ich vermutlich schon längst das Handtuch geworfen.

Die Wahrheit ist, dass ich zurzeit in der größten Schreibkrise stecke, seit ich vor sieben oder acht Jahren damit angefangen habe, intensiver zu schreiben. Dass diese natürlich genau in dem Jahr zuschlägt, in dem ich mir das etwas verrückte Bier-Projekt (siehe 6 Romane in 12 Monaten) vorgenommen habe, war ja klar.

Interessanterweise hat die Krise aber nicht wirklich etwas damit zu tun.

Rückschläge 1‘000 – Erfolge 0

Die Wahrheit ist, dass ich im letzten Jahr mit ziemlich vielen Rückschlägen und im Gegenzug sehr wenigen Erfolgen konfrontiert wurde. Mir ist klar, dass dies für eine Autorin Alltag ist und es ist auch nichts Neues für mich. Aber irgendwie hatte ich mir anfangs 2019 in den Kopf gesetzt, dass es dieses Jahr vorangehen muss mit meiner »Autorenkarriere«. Ich plante nicht den großen Durchbruch oder einen bombastischen Verlagsvertrag, sondern einfach etwas, von dem ich sagen kann, dass ich jetzt wieder ein Schrittchen weiter bin, ohne dass ich wirklich wusste, was das bedeutet.

Nun ist 2019 vorbei und ich kann auf nichts Derartiges zurückblicken. Im Gegenteil. Ich habe das Gefühl, weniger erreicht zu haben, als die Jahre zuvor.

Aufwand und Ertrag

Ich habe 2019 meine Cyberpunk-Trilogie abgeschlossen. Diese hat mich die letzten Jahre stark vereinnahmt und hat mich viel Zeit und Geld gekostet. Verkaufen tut sie sich – wie alle meine Bücher – schlecht. Damit kann ich leben. Ich verstehe nicht viel vom Marketing und habe getan, was ich konnte, und das ist okay. Aber das Selfpublishing der Reihe hat mir gezeigt, dass ich sehr gerne wieder bei einem Verlag unterkommen würde. Einem, der seine Autoren nicht über den Tisch zieht, oder Projekte einstampft, bevor sie überhaupt veröffentlicht sind. Leider haben mich meine bisherigen Verlagserfahrungen etwas übervorsichtig zurückgelassen. Auch ein Verlag, von dem man nur gutes hört, kann sich als Katastrophe entpuppen und ich habe keine Lust, ein Drama wie mit dem Papierverzierer Verlag noch einmal durchzumachen. Darum stehe ich mir da eventuell auch zu sehr selber im Weg, weil ich mir nur eine kleine Auswahl an Verlagen offenlasse, bei denen ich veröffentlichen möchte. Und auch da gab es letztes Jahr nur Abweisungen. Absagen regnete es aber auch bei Schreibstipendien und Autoren-Retreats.

Gleichzeitig wächst und gedeiht der Autorenverein, von dem ich im Vorstand sitze. Das macht es aber leider nicht einfacher, da mehr Leute auch mehr Arbeit bedeutet. Und jedes Jahr gibt es auch wieder Streit und Mitglieder, die sich ungerecht behandelt fühlen. Und auch wenn ich von allen Seiten höre, dass ich es mir nicht zu Herzen nehmen soll, so frustrieren und belasten mich solche Dinge heftiger, als ich zugeben möchte. Auch da zweifle ich immer mehr, ob die Zeit und das Herzblut, das ich investiere, der Ärger wirklich wert sind.

Ein weiterer Punkt ist mein Brotjob. Ich habe letztes Jahr erfolgreich eine Zertifizierung abgeschlossen, was endlich mal ein Erfolgserlebnis war in einem ansonsten eher bescheidenen Jahr. Und das hat mich grübeln lassen.

Wenn ich all die Zeit, die ich ins Schreiben investiere, mit dem Schleifen meiner Fähigkeiten in Sachen IT-Security verbringen würde, könnte ich dort so viel mehr aus mir rausholen, als ich es jetzt tue. Bin ich also nicht bescheuert, sie mit etwas zu verbraten, von dem ich weiss, dass es »nur« ein Hobby, das nirgendwo hinführt?

Stehen am Scheideweg

Im Großen und Ganzen stand ich Ende Jahr an einem Scheideweg. Offenbar muss ich einfach noch mehr Arbeit in das Schreiben stecken, als ich bisher schon tat, wenn ich möchte, dass es irgendwie »voran« geht. Oder ich lasse das Schreiben ganz sein und konzentriere mich auf meine Brotjob-Karriere.

Etwas dazwischen geht für mich nicht, davon war ich Ende Jahr überzeugt und ich bin mir auch heute nicht sicher, ob es das gibt. Ein bisschen Schreiben, wenn mir danach ist ohne Druck eines gewissen Erfolgs? Ich befürchte, dann schreibe ich gar nichts mehr oder zumindest auch nicht mit mehr Motivation als jetzt gerade.

Tja, so sieht’s aus. Es ist nun bereits April 2020 und diese Gedanken beschäftigen mich seit ungefähr letztem Sommer. Seither habe ich auch nicht mehr wirklich geschrieben, bis auf ein paar Flash Fictions, wobei ich sogar dort monatelang ausgesetzt habe. Das ist natürlich auch der Grund, warum ihr praktisch nichts mehr von mir hört auf Social Media oder anderweitig.

Was jetzt?

Konkret heißt das natürlich erstmal, dass das Bierprojekt ein kompletter Reinfall war und ich Ende April nicht, wie geplant, sechs Bonnie-Bahookie-Manuskripte in der Schublade haben werde, sondern einfach das eine, welches bis Ende Mai als Blog-Roman erschienen sein wird. Momentan weiss ich nicht, wie es damit weitergehen wird. Ich mag Bonnie und ihre Geschichten und sollte ich mich wieder mehr ins Schreiben vertiefen, werde ich mich ihr sicher wieder annehmen. Momentan kann ich einfach nicht sagen, wann das der Fall sein wird.

Ich zwinge mich nun dazu, die verpassten Flash-Fiction-Geschichten nachzuholen und dort wieder monatlich dran zu bleiben. Immerhin gibt es dort eine gesetzte Deadline und das hilft mir jeweils. Meine Hoffnung ist es, dass ich dadurch merke, dass es ohne das Schreiben nicht geht.

Ich warte momentan darauf, einen ganz tiefen Atemzug zu machen und mich daraufhin wieder kopfüber ins Schreiben zu stürzen. Leider bin ich noch nicht ganz soweit, obschon man jetzt ja wunderbar Zeit hätte dafür. Jänu. Kommt Zeit, kommt Einsicht. So hoffe ich zumindest.

Alles Liebe,
Carmen

Carmen und das Schreiben
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