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Endlich komme ich wieder einmal dazu, meine Writing Excuses Aufgaben nachzuholen. Hier kommt meine Lösung zu der offiziellen Woche 5!

 

Woche 5: What Do You Mean My Main Character is Boring?

→ Nimm drei unterschiedliche Charaktere und führe sie durch eine Szene. Übermittle dem Leser ihren emotionalen Zustand, ihren Job und ihre Hobbies ohne diese direkt zu erwähnen. Die vorgegebene Szene: Sie laufen über einen Marktplatz, um ein Paket an einem toten Briefkasten abzuliefern.

Da ich absolut keine Idee hatte, welchen Charakter ich als drittes nehmen könnte, habe ich diese Aufgabe leider nur zweimal erledigt.

1. Priscilla (aus »Magic Priscilla«)

Es fiel ihr schwer, sich wirklich auf die Markstände zu konzentrieren. Vor vielen Jahren hatte sie es genossen, am Arm eines charmanten jungen Herrn über den Markt zu flanieren und sich Süßigkeiten oder Blumen kaufen zu lassen. Diese Zeiten waren aber lange vorbei und heute brauchte es mehr, als in Schokolade getauchte Früchte oder eine Rose, zum Priscillas Aufmerksamkeit zu erlangen.
»Miss Fitzroy, guten Tag.«
Priscilla blickte von ihren Füssen auf.
»Oh, Emily. Verzeih mir, ich war in Gedanken«, antwortete sie der jungen Dame, fast noch ein Mädchen, welches hinter einem der Stände stand und sie freundlich anlächelte.
Emilies Stand war der einzige, an dem Priscilla heutzutage noch irgendwas einkaufte. Etwas abwesend strich sie über die Stickdeckchen, befühlte die angebotene Wolle und nickte dann.
»Schöne Ware, hast du heute wieder. Aber leider fehlt mir im Moment einfach die Zeit, weißt du. Ich kaufe bald wieder bei dir ein. Ich verspreche es«
Das Lächeln verschwand nicht von Emilies Gesicht.
»Aber natürlich, Miss Fitzroy. Ich wünsche noch einen schönen Nachmittag.«
Priscilla nickte abermals und ging weiter.
In ihrer Tasche befühlte sie das Paket, das schwerer wog, als es rein physikalisch eigentlich durfte.
Dummes Ding, beleidigte sie das Paket in Gedanken.
Sie strich das schlechte Gewissen von sich, dass sie sich nicht die Zeit genommen hatte, richtig mit Emily zu reden, wie es sich gehörte an einem Sonntagnachmittag auf dem Markt. Über solche Dinge konnte sie sich Gedanken machen, wenn die ganze Sache hier durch war. Wann auch immer das sein mochte.
»Ah«, machte Priscilla und fasste den alten Frisörsalon in den Blick, der hinter zwei Ständen versteckt lag.
Ein leiser Stich fuhr ihr ins Herz, wie heruntergekommen der Laden aussah. Wie hatten sich sie und die Mädels früher schick machen lassen beim jungen Eliot, bevor es an einen Ball oder sonstige Festlichkeit ging. Was aus dem Jungen geworden war? So talentiert wie er gewesen war, hatte er es bestimmt weit gebracht. Vielleicht ein eigenes Geschäft in London? Oder Paris?
Priscilla schüttelte den Gedanken ab. Sie war nicht hier, um in Erinnerungen zu schwelgen.
Darauf bedacht, nicht hängenzubleiben, drängte sie sich zwischen den beiden Ständen hindurch. Die fragenden Blicke der Inhaber erwiderte sie mit einem höflichen Lächeln, das aussagte: Lasst die alte Dame einfach machen.
Erst als sie sicher war, dass ihr niemand mehr Aufmerksamkeit zollte, holte sie das Paket aus der Handtasche und legte es unter das vorbereitete rote Tuch auf dem Fenstersims des alten Frisörsalons.
Dann betrachtete sie für einen Moment ihre dunkelgrauen Locken in der Spiegelung des Fensters, seufzte und wandte sich um.

2. Mikolaj (aus »Hack the Planet«)

Als Allererstes stachen ihm die zwei Polizisten am Straßenrand ins Auge. Man brauchte kein Profi zu sein, um zu erkennen, dass sie sich langweilten und einfach nur versuchten, die Zeit rumzubringen.
Mikolaj schnaubte aus. Zu seiner Zeit hatten sie wirklich noch aufgepasst. Der Wochenmarkt war der größte Sündenpfuhl und wer wollte, schaffte es immer, einen zu erwischen, mochte es nur ein kleiner Taschendieb oder ein Drogenkurier sein. Letztere erkannte man schnell, wenn sie unerfahren waren und man wusste, worauf es zu achten galt. Meistens genügte es, diejenigen im Auge zu behalten, welche die Polizisten im Auge behielten.
Bei dem Gedanken zuckte Mikolaj zusammen und richtete seine Augen auf seine Füße.
Verdammt, dachte er.
Als müsste er es nicht besser wissen.
Der dicke Brief in seiner Manteltasche beinhaltete vielleicht keine Drogen, aber gerade legal waren die Daten auf dem USB-Stick auch nicht.
Warum hatte Suzan ausgerechnet ihn losgeschickt? Ach ja. Er war ja der Neue. Und er sollte eigentlich wissen, wie man so etwas durchzog. Auch wenn seine Zeit im Außeneinsatz schon so einige Jahre zurücklag.
Mikolaj knackste mit den Knöcheln in seinen Fingern und richtete sich dann gerade auf. Mit falschem Interesse zollte er den Marktständen die nötige Aufmerksamkeit, nickte und lächelte, wie es ein normaler Bürger nun mal so tat.
Vor einem Verkäufer blieb er ruckartig stehen. Kein Mensch interessierte sich für seine Ware, aber Mikolaj konnte seinen Blick nicht abwenden. Langsam streckte er die Hand aus und hob eine der kleinen Lokomotiven auf.
»Sind Sie ein Sammler, mein Herr?«, fragte der junge Mann hinter dem Stand.
Mikolaj  nickte langsam, auch wenn es eine Lüge war.
Sammler sind Langweiler, hatten er und sein Bruder immer gesagt. Dinge, wie elektrische Lokomotiven waren nicht da zum Sammeln. Auch nicht, wenn mal auf die Vierzig zuging.
»Diese hier hat echten Kultstatus«, brabbelte der Verkäufer drauflos und textete ihn zu mit Spezifikationen und Verkaufszahlen.
Sein Bruder hätte sich herrlich darüber aufgeregt.
Mit dem Gedanken stellte er die Lokomotive hin und drehte dem Stand wortlos den Rücken zu. Er war nicht hier, um alten Erinnerungen nachzuhängen. Er war hier, um den verdammten Umschlag loszuwerden.
Am Ende des Marktes angelangt, erkannte er auch, was Suzan ihm erklärt hatte.
»Ist nicht euer Ernst«, murmelte er, als er den Umschlag in den Schlitz der gelben Box steckte.
Ein toter Briefkasten, hatte Suzan gesagt. Gelogen hatte sie damit nicht, denn Mikolaj wusste nicht, was ein uralter gelber Briefkasten noch hier zu suchen hatte. Briefpost war schon längstens tot.

 


 

Fazit Woche 5:

Ich habe mich über die Aufgabe gefreut, da ich mal wieder etwas schreiben konnte, ohne mit tiefer mit dem Plot auseinanderzusetzen. Andererseits haben sich aber sofort neue Ideen ergeben, die ich für das Romanprojekt verwenden könnte. Nach zwei Szenen war aber die Luft draussen und ich habe es halt eben bei den beiden belassen.

Nun meine Fragen an euch:  Was denkt ihr ist in Priscillas Paket? Und welche heiklen Daten trägt Mikolaj mit sich herum?

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[…] kommt die Marktszene aus Woche 5 aus Sicht der Polizisten, die Mikolaj […]

Anke
Gast
Anke

Hum. Bei Mikolaj fällt mir da leichter was ein. Vielleicht sind es jene alten Daten, die er damals als Polizist in dem berüchtigten Fall gesammelt hatte und sie er nun an die Hacker weiter gibt.

Bei Priscilla müsste ich etwas länger überlegen. Vielleicht irgendein altes zauberwerk aus dem analogen Zeitalter?

LG Anki