Kirk das Schaf – Logbucheintrag Nr. 6

Logbucheintrag – 29.07.2015
Góða Ólavsøku!

Irgendwie habe ich ziemliche viele Feiern erlebt in den letzten Tagen, darum weiß ich gar nicht, wie ich euch ab Besten von alledem berichten soll. Ich glaube, ich starte ganz einfach mal von vorne.

Letzten Samstag war ich eingeladen zu einem Familienfest in Hovi. Dabei kamen auch eine Handvoll Leute von Island, wohin viele Färinger einst ausgewandert sind, als die Arbeitslage auf den Inseln nicht so rosig war.

Einer der sympathischsten Bräuche, den ich bisher kennen lernen durfte, ist der vælkomst snaps. Dabei steht einer der Gastgeber an der Tür und jeder, der eintritt, kriegt ein Gläschen lívsins vatn (Lebenswasser), ein Kornschnaps, eingeschenkt. Wenn es nur einfach bliebe, ginge das ja, aber je nach Enthusiasmus des Einschenkers kriegt man im Verlaufe des Abends so einige mehr angeboten. Und wer kann schon so unhöflich sein und ablehnen?
Dann ging es an das Buffet! Ich habe ja vieles erwartet, das ich nicht kenne und ich wurde nicht enttäuscht. Unglücklicherweise hat mir mein Magen da noch immer nicht so mitgespielt und ich konnte unmöglich alles probieren.

Eine kleine Kostprobe: Es gab getrockneten Fisch, Walfisch Chips, geräucherte Gans, Fischsalat, getrockneter Walfisch mit Blubber (so wird die Fettschicht des Wals genannt), Ferskin Súpan (Suppe mit Pfirsichen und Crevetten) und einiges mehr. Das Interessanteste war wohl das getrocknete Schafsbein an einem Stück. Wenn man sich aber das Klima der Färöer Inseln ansieht, kann man sich vielleicht vorstellen, wie lange sich das mit dem Lufttrocknen zieht. In Wahrheit handelt es sich dabei also eher um eine Mischung aus getrocknetem und fermentiertem Fleisch.
Wein wird übrigens nur sehr selten serviert, die Färinger sind vielmehr Biertrinker. Auch angestoßen wird nicht grundsätzlich, sondern ab und zu ruft einer lautstark Skál in den Raum, alle heben die Gläser und stimmen mit ein.
Während des Familienfests traf ich übrigens auf den Zwillingsbruder des Weltmeisters im Gewichtsheben 1980, sowie den Finder einer Amundson Uhr, welche als Einzige einer limitierten Auflage von 250 Uhren am Nordpol vergraben worden war. Diese fand dann über vier Jahre den Weg an einen Strand auf den Färöern, wo sie von einem elf Jähigen gefunden wurde. Diese wurde damals nach Basel an die Uhrenmesse eingeladen, wo er den Mann traf, der sie vergrub. Dies war der Gründer der Uhrenfabrik Jørgen Amundson, ein direkter Nachfahren von Roald Amundson, der als Erster sowohl den Süd- wie auch den Nordpol erreichte.

Was sich durch alle Festivitäten der Inseln zieht, ist das Singen und Tanzen. Es existiert ein großer Liederschatz mit (zumeist blutrünstigen) Balladen und Kettentänzen. Diese haben zuweilen über hundert Strophen. Gegen Ende konnte ich da auch den Refrain mitgrölen. Wenn ihr Mal wissen wollt, wie färöisch so aussieht, habt ihr hier das Bild eines Liedertextes.

Die nächste Festivität, an der ich teilnehmen durfte, war eine Hochzeit, an dessen Anschluss gleich die Ólavsøka startete! Dies ist der Nationalfeiertag der Färöer und gleichzeitig ein großes Sportfestival mit dem nationalen Ruderboot-Finale. Außerdem gibt es Live-Musik, Umzüge und – was sonst? – Gesang und Tanz.
Um Mitternacht versammeln sich alle auf einem Platz, wo dann gemeinsam der Ormurin Langi getanzt wird. Übersetzt heißt das „Die lange Schlange“, was auf die Midgardschlange anspielt. So hieß jedoch auch das Langboot des norwegischen Königs Olav I. Tryggvason, zu dessen Ehren das Fest angehalten wird. Er leitete damals rund um das Jahr 1000 die Christianisierung der Färöer ein, indem er Sigmundur Brestisson auf die Inseln schickte. Von ihm handelt das Lied.


An dem Tanz nehmen tausende Leute teil und es ist erstaunlich, wie viele Leute die gut 150 Strophen auswendig zu kennen scheinen. Nicht, dass ich etwas davon verstanden hätte …
Der Refrain lautet scheinbar frei übersetzt:

Lärm tobt in der Halle,
Tanze mit im Ring!
Froh reiten die Nordmänner
In Richtung des Krieges.

Falls ihr das Mal in Farbe sehen wollt, gibt es hier ein Video. An diesem Feiertag tragen die Einheimischen häufig ihre Tracht. Die Frauen in den traditionellen Farben rot, weiss, blau, die Männer schwarz und blau. Beide mit glanzpolierten silbernen Knöpfen und Schnallen. Nur zu Hochzeiten trägt der Bräutigam eine weiße Weste, anstelle einer schwarzen.
Apropos Hochzeit, da ist es üblich, den vælkomst snaps aus kleinen Schafshörnern zu trinken. Ich habe mir da gleich mal zwei besorgt. Nicht weil ich heiraten will – dass da ja keine falschen Gerüchte aufkommen! – sondern, weil ich mit Freunden letztens ein witziges Trinkspiel entdeckt habe und es einfach mehr Stil hat, sich aus Hörnern zu betrinken.


Ein weiterer lustiger Brauch ist das Piparsveinur. So wird ein Mann bezeichnet, der mit 30 Jahren noch nicht verheiratet ist. Von ihm werden auf den ganzen Inseln Bilder aufgehängt mit Telefonnummer und Adresse, so dass sich heiratswillige Frauen bei ihm melden können. Außerdem schenkt man ihm zum Geburtstag eine Pfeffermühle. Piparsveinunr bedeutet übrigens so was wie Pfeffergeselle.

So, das waren einige wirklich anstrengende Tage, von denen ich mich erst mal wieder erholen muss. Eins steht fest: Die Färinger wissen, wie man feiert!

– Kirk

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