Kirk das Schaf – Logbucheintrag Nr. 5

Logbucheintrag – 23.07.2015
Klippa seyður!

Puh, irgendwie läuft hier so viel, dass ich gar nicht mehr nachkomme mit Schreiben. Aber dieser Bericht hier muss einfach sein, immerhin geht es dabei um meine lieben Artgenossen.


Wie bereits erwähnt bedeutet „Färöer“ in einer altnordischen Sprache „Schafe“. Und die Schafsinseln machen ihrem Namen alle Ehre. Sie sind schlichtweg überall. Weniger, wie ich es in Schottland erlebt habe, in großen Herden, sondern vielmehr alleine oder in kleinen Grüppchen unterwegs. Dafür gibt es aber wirklich keine Stelle, wo sie sich nicht rumtreiben. Und sind es auch schwindelerregende Höhen, keinen halben Meter von einem Abgrund entfernt.
Auch wenn es so aussieht, als würden sie frei herumstreunen, so gibt es anscheinend doch immer irgendwo einen Zaun, der ihr Gebiet begrenzt. Dieses ist meist einfach unglaublich groß.
Den jungen Lämmern wird bei der Geburt das Ohr in einem bestimmten Muster angeschnitten, welches bezeichnet, in welcher Parzelle der Insel das Tier zu Hause ist. Außerdem sind alle Tiere mit einer Nummer versehen, die sie dem jeweiligen Eigentümer zuordnet.

Im Frühling werden die Lämmer geboren und im Sommer dann die Mutterschafe geschoren. Dies ist dringend notwendig, denn wenn man es nicht tut, verlieren sie ihre Wolle selber und diese liegt offen auf den Feldern herum. Das ist zwar kein großer Verlust, da der Spruch „Seyða ull er Føroya gull“ (Die Schafswolle ist das Gold der Färöer) schon länger nicht mehr zutrifft. Jedoch passiert es häufig, dass die einheimischen Vögel sich in der herumliegenden Wolle verstricken. Diese vergammelt dann und kann zu Entzündungen und Absterben von Körperteilen führen.
Interessanterweise hatte ich immer das Gefühl, dass die männlichen Schafe nicht so aussehen, als wären sie geschoren worden. Dies stimmt auch, aber nur, weil sie ihre Winterwolle schon längst selbst verloren haben. Und wisst ihr weshalb? Weil diese Paschas den ganzen lieben Winter im Stall verbringen dürfen! Soll mir einer sagen, dass das fair sein soll …

Ich habe aber nicht nur das Glück an jeder Ecke auf meine Artgenossen zu treffen, sondern durfte auch noch bei einem mithelfen, es von seiner Wolle zu befreien. Klippa seyður – Schafe scheren!


Dabei werden alle Tiere auf einer Weide zusammengetrieben und eines nach dem anderen an einen Pfahl gebunden. Mit stinknormalen Haushaltsscheren wird die Wolle dem Rücken entlang geteilt, und dann langsam Richtung Beine abgetragen. Dabei ist es leicht den Übergang des verfilzten, fettigen alten Felles von den neuen, feinen Haaren zu unterscheiden. Diese müssen stehenbleiben, damit das Schaf nicht friert. Immerhin ist es auch im Sommer nicht gerade heiß hier oben.


Was ebenfalls ab und zu notwendig ist, ist das Stutzen der Hörner. Diese können nämlich so ungünstig wachsen, dass sie in die Wangen oder sogar die Augen der Schafe dringen.

So, das war’s auch wieder von mir. Ich lasse euch aber gerne ein paar Bilder meiner hübschen Artgenossen hier.

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