Kirk das Schaf – Logbucheintrag Nr. 1

Die Färöer, unendliches Meer. Wir schreiben das Jahr 2015. Dies sind die Abenteuer des Schafes Kirk, das auf eigene Faus zwei Wochen lang unterwegs ist, um diese neue Welt zu erforschen, neues Leben und neue Zivisation. Viele Kilometer von der Heimat entfernt dringt Kirk in Gefilden vor, die nie ein Schaf zuvor gesehen hat.

Logbuch Eintrag vom 17.07.2015
Kopenhagen

Erst vor zwei Tagen erfuhr ich von dem Auftrag, den Carmen für mich ausersehen hat. „Recherche“ nennt sie als den Grund, was auch immer das bedeuten mag. Mir soll es recht sein.
Das eigentliche Ziel der Reise sind die Färöer Inseln, doch zuerst unternehme ich einen Zwischenstopp in Kopenhagen (Dänemark). Die Reise verlief soweit ruhig, bis auf die kleineren Turbulenzen bei der Landung. Im Gegensatz zu der Heimat herrscht hier wundervoller Sommer mit gut 20°C. (Die letzten Wochen hatte ich das Gefühl, dem Teufel war es zu kühl in der Hölle, also verlegte er seinen Sitz eben in die Schweiz. Doch zurück zum eigentlichen Bericht.)


Nyhavn

Eine erste Erkundung der begehrten Fußgängerzone eröffnete mir, was ich bereits wusste: Einkaufsstraßen sehen überall gleich aus. Also beschloss ich, mich etwas abseits durchzuschlagen. Wie immer war ich ohne Karte unterwegs. Ein Schaf von meinem Schlag braucht so etwas nun mal nicht. Ich kannte meinen Ausgangsort sowie mein Ziel – Nyhaven, das Hafenquartier – was brauchte ich also mehr?
Per Luftlinie wusste ich genau, wohin ich ging. Eine Schande, dass die Stassenverläufe irgendwie nicht ganz mitspielen wollten. Endlich an einer beschrifteten Kreuzung angelangt, erkannte ich, dass ich mich um 1.1 km nördliche Richtung vertan haben musste. Nun gut, jetzt konnte es ja nicht mehr so schwer sein. Nur die unzähligen Baustellen stellten sich mir bockig in den Weg. An jeder Ecke eine Neue, beinahe auf jeder größeren Straße wucherten sie. Nur um dann sogleich von einem charmanten Gässchen abgelöst zu werden. So zog es sich also, Baustelle, Gässchen, Baustelle, Gässchen. Die unzähligen Kirchen nicht zu vergessen und der botanische Garten, in dem ich mir eine kurze Pause gönnte. Je näher ich dem Hafen kam, desto mehr überwogen die alten Backsteinbauten. Bis ich dann ganz zufällig auf das Schloss Amalienborg traf, die Stadtresidenz der dänischen Königin Margarethe II. An dieser Stelle vielleicht einige Fakten:
Dänemark verfügt über eine parlamentarische Monarchie, was bedeutet, dass sie ein gewähltes Parlament besitzen und das Königshaus eine zumeist rein repräsentative Funktion einnimmt. Zu Dänemark gehören außerdem die autonomen Gebiete der Färöer Inseln sowie Grönland. Dies macht das Königreich zu einem interkontinentalen Staat. Soviel zu der trockenen Materie.
Wie auf Kommando fand dann auch gleich die Wachablösung statt. Zugegebenermaßen beeindrucken mich die Herren in Fellmützen nur durch ihre Hitzebeständigkeit. Ihre britischen Gegenparts zeigen grundsätzlich eine viel größere Disziplin, wie mir scheint.
Endlich an meinem eigentlichen Ziel angelangt, musste ich dem Quartier Nyhaven seinen Charme zugestehen. Wand an Wand gebaute Häuschen jeglicher Farbe beherbergen unzählige Beizen, wo ich mich dann auch zum Mittagessen niederließ. Zu einer Portion heimischem Getreibe in Flüssigform (sehr zu empfehlen), verfasste ich alsdann den ersten Teil dieses Berichts.

Bericht erstellen
Auf dem weiteren Weg beschloss ich, einen Besuch in einem eigenwilligen Museum abzustatten. Die lokale Bevölkerung soll nämlich eine ganz eigene Kunstform geschaffen haben, die ich das „Klötzchen aufeinanderstapeln“ nenne. Etwas überrascht war ich, als man sich in diesem „Museum“ direkt mit allen nötigen Mitteln eindecken konnte, sollte man sich ebenfalls dieser Art von Kunst zuwenden wollen.
Ich beschloss einen anwesenden Herren anzusprechen, um mehr Hintergrundinformationen zu erhalten, wurde jedoch bitter enttäuscht. Dieser… Kerl war äußerst wortkarg und außerdem sehr angriffslustig. Natürlich konnte ich diese rüpelhafte Provokation nicht auf mir sitzen lassen! Obschon es für einen Moment prekär aussah für meine Wenigkeit, konnte ich schlussendlich siegreich aus dieser Konfrontation hervorgehen. Dennoch verließ ich die Lokalität unverzüglich.

Lego Löwe
Ich beschloss, mich durch dieses Erlebnis nicht entmutigen zu lassen und sprach alsbald den nächsten Einheimischen an.
„Hey du“, rief ich, da er mich zu allererst partout ignorierte. „Du siehst so aus, als wüsstest du, wo es etwas Gutes zu trinken gibt.“
(Das Testen der lokalen Spezialitäten gehört selbstverständlich zu meinem Auftrag dazu.)
Dies tat dann auch den Trick.
„Wie kommst du darauf?“, schnaubte er.
„Na, ich dachte ihr Piraten seid ganz schön trinkfreudig. Rum fallera und so weiter…“
„Piraten?!?“
Oi, offenbar ein wunder Punkt. Ich wusste nicht, dass Bronze derart rot anlaufen konnte.
„Ich bin Niels Juel, Holadmiral Dänemarks! Ich bitte um etwas Respekt.“
Ah, das erklärte einiges.
„Ich besiegte die Schweden in Gotland, Öland und schlussendlich in der Køgebucht, wo sie sich 1677 geschlagen geben mussten! Ich bin Gouverneur von Gotland…“
Niels Juel „Schon gut, schon gut“, unterbrach ich ihn, denn ich glaubte, er wolle nicht mehr zu schwatzen aufhören.
„Mein Name ist Kirk“, stellte ich mich vor. „Und ich habe eine Mission. Ich bereise die Färöer, um meiner Auftraggeberin Bericht zu erstatten.“
„Färöer, wie?“, murmelte er nun. „Soll zu Schiff eine ganz schöne Reise sein.“
Zu Schiff. Was für ein Gedanke! Gut möglich, dass mich das Hafenviertel und der schmucke Admiral bei dieser Entscheidung beeinflussten, aber in dem Moment wurde mir klar, dass ich den Seeweg zu die Inseln nehmen würde. Eine vorzügliche Idee. Wäre da nicht eine gewisse, nagende Angst..
„Admiral, habt ihr gegen Piraten gekämpft?“
„Piraten? Von Zeit zu Zeit. Doch die Schweden waren bei weitem schlimmer.“
Sehr gut, mit Schweden sollten wir keine Probleme kriegen.
„Was ist mit Wikinger?“
Nun bedachte er mich mit einem zweifelnden Blick.
„Wikinger? Das war etwas vor meiner Zeit, mein Junge.“
Dann würde ich mich auch vor denen nicht zu fürchten brauchen. Sehr gut.
„Eine Frage noch, Admiral. Ich hörte, in der Bucht von Kopenhagen lebe eine Meerjungfrau. Meine Auftraggeberin sagte zwar, sie sei den Blick nicht wert, doch ich wollte dennoch die Meinung eines Einheimischen einholen.“
„Den lille Havfrue“, seufzte der Admiral nun. „Die kleine Meerjungfrau. Ein schnippisches kleines Flittchen, wenn du mich fragst. Tut dir dies ruhig an, wenn du es nicht lassen kannst.“
Nach meiner letzten Begegnung beim Klötzchenbau-Museum schien es mir, als könnte ich mit einem schnippischen Flittchen durchaus zurechtkommen. Doch offenbar kann man die Zeit hier besser nutzen.
Den Rest des Tages verbrachte ich mit erneutem Hin- und Hergehen und damit, mir einen hübschen Sonnenbrand auf der Nase zuzuziehen. Bis es mich dann am Abend in ein gemütliches Pub mit Stew, Kilkenny und Live Musik zog.
Nur weil man eine Kultur beobachten sollte, heißt das nicht, dass man das nicht in einer internationalen Umgebung tun kann, oder?

Kirk

PS: Diese Dänen haben einen guten Geschmack,was Namen angeht. Nur die Felle unter dem Namen beunruhigen mich ein wenig… soll das eine böse Vorahnung sein?

Kirk

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